Neurotizismus ist eine der fünf großen Dimensionen des Big-Five-Persönlichkeitsmodells (auch Five-Factor Model, McCrae und Costa, 1987). Er misst die dispositionale Tendenz, negative Affekte zu erleben und intensiver auf Stress zu reagieren.
Im NEO PI-R zerfällt er in sechs Facetten:
- N1 Ängstlichkeit — antizipatorische Sorge, Anspannung.
- N2 Reizbarkeit — Wut, Frustration, Gereiztheit.
- N3 Depression — Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Leere.
- N4 Soziale Befangenheit — Unbehagen unter dem Blick anderer.
- N5 Impulsivität — Schwierigkeit, Drängen zu widerstehen.
- N6 Verletzlichkeit — Unfähigkeit, mit Stress umzugehen.
Wichtig zu verstehen:
Ein hoher N-Wert heißt nicht „du bist kaputt“. Dein limbisches System hat eine niedrigere Schwelle zur Bedrohungserkennung. Vorteile: du erkennst Risiken früher, bist vorsichtiger, nimmst ernst, was andere ignorieren. Kosten: du grübelst mehr, brauchst länger zur Erholung, verbrauchst Energie für falschen Alarm.
Die Literatur verbindet hohen N mit erhöhtem Risiko für Angststörungen und Depressionen (Lahey, 2009), aber auch mit besserer Leistung in Berufen, in denen Vorsicht eine Tugend ist.
Was es NICHT ist:
- Kein Urteil. Test-Retest-Stabilität über 6-10 Jahre ist hoch (~.70), aber nicht perfekt. Sinkt tendenziell mit dem Alter.
- Nicht das Gegenteil von „Stärke“. Es gibt sehr widerstandsfähige Menschen mit hohem N; es kostet sie nur innerlich mehr.
- Nicht dasselbe wie „pessimistisch sein“. Pessimismus ist eine Überzeugung; N ist eine Empfindlichkeit.
In deinem Afini-Profil wird N mit 60, 120 oder 300 Items des IPIP-NEO von Johnson (2014) gemessen.